Covid – seine Auswirkungen

Im April habe ich covid-19 erwischt (oder hat er mich erwischt?) und bin schlussendlich im Spital gelandet. Im Verlauf der Krankheit und während der Genesung habe ich vieles gelernt. Einiges hat mich weitergebracht, anderes erschreckt. Eine Zeitlang fühlte ich mich, wie wenn etwas von mir Besitz genommen hätte.

Seit über 30 Jahren meditiere ich täglich und habe nie einen einzelnen Tag ausgelassen, ausser als covid-19 übernahm. Mein spiritueller Zugang war verschlossen. Meine innere Verbindung fühlte sich gekappt an, als ob ich von meinem Höheren Selbst abgeschnitten sei.

Ich spürte, was covid-19 in meinem Körper anrichtete, in meinen Blutgefässen, in meinem Herzen, meiner Lunge und meinem Gehirn und konnte nichts dagegen tun. Obwohl das bereits einige Wochen zurückliegt, nehme ich immer noch Überreste von ihm wahr. Aber ich lasse ihn immer wieder liebevoll los und merke, wie er ständig mehr verblasst. Er macht mir keine Angst. Nie wird ein Virus stärker sein als der menschliche Geist.

Seit ich gesund bin, bin ich wieder klar und unmissverständlich ausgerichtet. Ich habe gelernt, mir selber Geduld und Selbstliebe entgegen zu bringen, nicht nur meiner Familie und meinen Klienten, sondern wirklich mir selbst. Gleichzeitig ist mein Mitgefühl für meine Klienten noch stärker geworden, obwohl ich eine Steigerung nicht für möglich gehalten hätte. Jetzt versuche ich beides zu vereinen in meinem Leben und bin optimistisch, dass mir das gelingt.

Nun verrate ich dir was mich erschreckt hat:
Es war nicht der Virus, sondern das Verhalten der Menschen. Als ich mit 40 Grad Fieber und viel zu wenig Sauerstoff in den Notfall des Kantonsspital Winterthur eintrat, gab mir eine Krankenschwester Sauerstoff und hängte mich an ein EKG. Zwei stocherten in meinen Venen herum, die mir noch immer wehtun. Einer gelang es schliesslich mir Blut abzunehmen. Ich bekam Flüssigkeit. Bis hierher war alles logisch und nachvollziehbar. Als die lebensrettenden Massnahmen vorbei waren, ging es los mit meinem Trauma.

Der Assistenzarzt kam dazu und sagte mir, dass wir einen PCR Test machen müssen. Ich sagte ihm, dass ich keinen machen wolle. Er meinte, dass wir beweisen müssen, dass ich covid hätte. Ich vertrat die Meinung, dass sie alle sahen, was ich hatte und dass sie bereits mein Blut eingeschickt hätten zur Untersuchung. Ich äusserte meine Angst und dass ich den Test nicht machen wolle, da er nicht nötig sei in dieser Situation. Er meinte, ich müsse nur stillhalten, dann gehe es ganz schnell. Als ich darauf beharrte, dass ich den Test nicht machen wolle und dass mein Körper nicht stillhalten werde, ging es tatsächlich ganz schnell. Ich wurde von beiden Seiten von den Krankenschwestern festgehalten, und er nahm sich, was er haben wollte. In diesem Fall etwas vom Flimmerepithel in meiner Nase.

Das hat mir Angst gemacht, die Erkenntnis, dass seit covid-19 und seinen politischen Auswirkungen mein Körper nicht mehr mir gehört, sondern andere darüber bestimmen dürfen. Das Erlebnis selber hat mich für einige Wochen traumatisiert. Aber die angstvolle Erkenntnis, dass ich nicht mehr selber bestimmen darf, wer was mit meinem Körper anstellt, die wird nicht so schnell verschwinden.

Ich fülle meine Abstimmungsunterlagen aus, während Bob Marley passend dazu singt:

Get up, stand up: stand up for your rights!
Get up, stand up: don’t give up the fight!

(Kommst hoch, stehst auf: stehst für dein Recht auf
Kommst hoch, stehst auf: gibst den Kampf nicht auf)

Während er weitersingt, verschliesse ich mein Kuvert und hoffe mit ihm auf bessere Tage:

You can fool some people sometimes,
But you can’t fool all the people all the time.

(Du kannst ein paar Leute manchmal betrügen
Aber du kannst nicht alle Leute immer betrügen.)

Wie recht er hat.

Bleib gesund und wachsam.
In Liebe, Grazia

Kommentare

  1. Liebe Grazia,
    Seelendank für deine Ehrlichkeit & Klarheit! … Was uns nicht umbringt, macht uns stärker!!!! Und wir werden nicht aufgeben, für die Welt zu wirken, für die wir gekommen sind!
    Herzlichst & voller Mitgefühl,
    Melanie

    1. Da bin ich ganz deiner Meinung, liebe Melanie. Aufgeben kommt nicht in Frage!

      1. Liebe Grazia,
        Vielen Dank für Deine Zeilen.
        Es macht mich sehr traurig dies zu lesen. Doch gleichzeitig macht es auch Hoffnung zu wissen, dass es viele Menschen gibt die für „unser Recht“ aufstehen. Dir gute Besserung und allen viel Kraft sich selber treu zu bleiben.
        Herzlichst Michaela

        1. Das freut mich zu hören, liebe Michaela, denn Hoffnung ist was ich vermitteln möchte.

    2. Liebe Grazia

      Schön zu wissen, dass du wieder gesund bist. Traurig zu erfahren, dass wieder solche Traumas immer wieder in Krankenhäuser und ausserhalb Krankenhäuser passieren. Und bleibt uns nur über weiter zu machen, wie wir wollen, und wie wir daran glauben.
      Vielen herzlichen Dank, dass du deine unangenehme Erfahrung, uns mitteilst, und weiterhin viel Energie und Geduld mit dir selbst wünsche ich dir. Ganz liebe Grüsse, Sokaina

      1. Ja, gut Ding will Weile haben. Wir bleiben dran, bis wir am Ziel sind.

  2. Schön, dass Sie wieder gesund sind!
    Doch dies zu lesen schockt mich….
    Herzliche Grüsse

    1. Das kann ich gut verstehen, liebe Nadine
      Anfangs konnte ich es auch gar nicht fassen.

  3. Liebe Grazia

    Ich wünsche dir weiterhin gute Genesung und Danke für die Infos. Ich bin auch deiner Meinung und hoffe, dass wenn wir unsere Kraft in das Gute geben es auch gelingen wird. Aufgeben auf keinen Fall. Herzumarmung für dich und deine wundervolle Arbeiten

    1. Vielen Dank, liebe Virginia, für deine lieben Worte.

  4. Liebe Grazia
    Vielen Dank für Deine eindrücklichen Zeilen. Du hast uns von Deinen miserablen Spitalerfahrungen am letzten Kursblock erzählt und wir waren völlig schockiert. Deine Worte sind mir lange nachgegangen, denn als dipl. Pflegende weiss ich, dass wir zu meiner Zeit gelernt haben, dass der Mensch im Zentrum steht. Leider ist die Schulmedizin und die Haltung der Ärzte und des Pflegepersonals in den letzten 15 Jahren völlig pervertiert, wodurch viele Pflegende der „alten“ Garde aus der Pflege gehen. Aus ethischen Gründen halten wir die aktuelle Situation nicht mehr aus.
    Von Herzen wünschen wir Dir viel Kraft in Deinem wertvollen Tun und danken Dir. Schön, dass es Dich gibt.
    Liebe Grüsse
    Maria-Luisa und Joachim

    1. Liebe Maria-Luisa und lieber Joachim
      Leider höre ich das häufig, dass erfahrene Leute ausscheiden, weil sie nicht mehr hinter ihrer Tätigkeit stehen können. Hoffen wir, dass ich das bald ändert 🤗

    2. Liebe Grazia, deine Erfahrungen haben mich tief berührt. Ähnliches ohne Covit habe ich schon erlebt. Dabei habe ich deine Hilfe und die meiner Schwester benötigt. Ihr habt mich in Körper, Geist und Seele wieder eins gemacht. Es ist wichtig Hilfe in so Situationen anzunehmen. Danke 💕 für deine Offenheit.

      1. Liebe Ursula, ich danke dir für deine Worte und es ist schön, wieder einmal von dir zu hören 😊

  5. Liebe Grazia
    Danke das du deine Erlebnisse mit uns teilst. Wie grauenvoll muss das gewesen sein! Das ist ein Übergriff pur!
    Es zeigt mir deutlich wir müssen unsere Werte schützen, eigen Verantwortung übernehmen und trotzallem positiv bleiben. Liebe Grüsse und erhole dich gut 🥰

    1. Vielen Dank für deine guten Wünsche, liebe Ursula 🤗

  6. Liebe Grazia
    Ein riesengrosses Dankeschön, dass du diese Erfahrungen hier teilst!
    Nur schon deine Erzählung löst bei mir Entsetzen aus und ich kann bestens nachfühlen, wie sehr dich das traumatisiert haben muss.
    Die vielen Erlebnisse, die ich grad in den letzten Tagen diesbezüglich von Betroffenen gehört habe, machen mich einfach sprachlos…

    Ich weiss, dass dies alles einen höheren Sinn hat, selbst wenn wir es momentan nicht verstehen. Daran kann ich mich orientieren und ich glaube daran, dass das Gute siegen wird. Dennoch ist es wirklich starker Tobak!

    Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft und Liebe und Mut auf deinem weiteren Weg. Mögen sich deine schrecklichen Erfahrungen in Liebe wandeln.
    Herzlichst
    Brigitta

    1. Ja, liebe Brigitte, es ist wirklich wichtig, dass wir die Augen offen lassen und trotzdem positiv bleiben!

  7. Liebe Grazia,
    schön, dass du wieder gesund bist. Es ist sehr traurig, wie sie mit dir im Spital umgegangen sind!!! Herzliches Mitgefühl.
    Ja, aufgeben ist keine Option, kann Bob Marley’s Zitate (Lieder) nur zu stimmen.
    Wünsche dir alles Gute und alles Liebe.
    Agnes

    1. Das wünsche ich dir auch, liebe Agnes 🌸

  8. Liebe Grazia
    Ich bin dankbar, dass es dir wieder besser geht und dafür dass Du so offen Dein Erlebnis teilst.
    Die Gedanken sind seit mehr als einem Jahr immer wieder bei all den stark covid erkrankten Mitmenschen und ich wünsche Dir und allen Menschen viel Kraft, Mut und Lebensfreude.
    Alles Liebe
    Jacqueline

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Jacqueline 🌸

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.